Informationen, Ideen und Materialien für den Unterricht

Fallbeispiele für Lehrkräfte – Urheberrecht und Film im Unterricht

Filme sind urheberrechtlich geschützt

Dies bedeutet, dass den Urheber*innen und den Inhaber*innen verwandter Schutzrechte, die gesetzlich definierten Verwertungsrechte und Urheberpersönlichkeitsrechte an einem Film zustehen. Diese betreffen beispielsweise die Vervielfältigung, die Verbreitung oder die öffentliche Wiedergabe, z.B. wenn Sie eine Filmvorführung in der Schule planen. Das heißt, zur nicht privaten Filmnutzung / Videonutzung eines Filmwerkes ist eine Einwilligung des Rechteinhabers*der Rechteinhaberin oder eine gesetzliche Erlaubnis erforderlich. Damit die Arbeit mit urheberrechtlich geschützten Werken im Schulunterricht dennoch ohne Einwilligung der Rechteinhaber*innen erfolgen kann, wurden die Gesetzestexte stellenweise mit bestimmten Urheberrechtsschranken versehen.

Folgende Fallbeispiele sollen Ihnen einen Überblick über die rechtlichen Grundlagen, allgemein verbreitete sowie die für den Schulunterricht relevante Urheberrechtsschranken geben.

Wir bitten Sie zu beachten, dass am 01. März 2018 das Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG) in Kraft treten wird. Dieses Gesetz wurde vom deutschen Bundestag in der Sitzung vom 30. Juni 2017 verabschiedet und reformiert die Regelungen zur Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke für Bildung und Forschung. Ab dem 01. März 2018 finden Sie hier aktualisierte Beurteilungen der Fallbeispiele, welche die reformierten Regelungen berücksichtigen.

Fallbeispiele zur Wiedergabe von Filmen in der Schule

1. Frau Müller leiht in der Stadtbibliothek einen Film aus, den sie vielleicht in der Klasse 5b zeigen möchte. Zu Hause hat sie noch einen anderen Film, den sie käuflich erworben hatte. Nun muss sich Frau Müller entscheiden, welchen Film sie zeigt. Dürfte sie prinzipiell beide Filme in ihrer Klasse zeigen?

Ja. Frau Müller dürfte beide Filme in ihrer Klasse zeigen, denn die Wiedergabe in privaten Vorführungen ist gemäß § 15 Abs. 3 UrhG unproblematisch. Vorführungen im Klassenverband werden dabei in der Regel als private Vorführung angesehen, denn zwischen den Schüler*innen und den Lehrkräften besteht eine enge persönliche Beziehung. Deshalb kommt es auch nicht darauf an, ob der Film geliehen oder gekauft wurde.

2. Als Frau Müller am nächsten Tag ihrer Kollegin von ihrem Plan erzählt, mit ihren Schüler*innen einen Film zu schauen, beschließen die beiden Lehrerinnen, eine gemeinsame Filmaufführung für ihre Klassen zu organisieren. Ist dies erlaubt?

Nein. Während die Wiedergabe im Klassenverband als private Vorführung angesehen werden kann, gilt für klassenübergreifende Vorführungen etwas anderes. Hier muss man davon ausgehen, dass die Teilnehmer*innen weniger durch eine enge, persönliche Bindung miteinander verbunden sind und die Vorführung daher eine öffentliche ist. Für zwei Klassen, welche in der Vergangenheit schon häufiger gemeinsame Unternehmungen durchgeführt haben, kann ausnahmsweise noch gelten, dass die Wiedergabe durch persönliche Bindungen als nicht öffentliche gilt – der Regelfall ist dies jedoch nicht.

3. Herr Weber erwirbt einen Film käuflich und möchte ihn seinen Schüler*innen aus der Kursstufe zeigen. Darf er das?

Weniger fest geschlossene Gruppen wie beispielsweise im Kurssystem können nicht eindeutig als nicht öffentliche Gruppe bezeichnet werden. Hier gehen die Meinungen der Jurist*innen auseinander. Im Zweifel sollten hier direkt die Nutzungsrechte für den schulischen nicht-gewerblichen Gebrauch mit öffentlichen Vorführrechten eingeholt werden. Institutionen, welche DVDs mit diesen Rechten (zum Verkauf und/oder Verleih) anbieten, finden Sie in der > Linksammlung der Infothek.

4. Frau Holmgren hat eine Blu-Ray ausgeliehen, die sie im Rahmen der Schuljahresabschlussfeier in der Aula zeigen möchte. Was muss sie beachten? Darf sie den Film vor allen Schüler*innen der Schule zeigen?

Nein. Bei Schulvorführungen oder Schulkinoabenden wird wohl immer von einer öffentlichen Vorführung auszugehen sein. Daher sind die Nutzungsrechte vom Rechteinhaber*von der Rechteinhaberin einzuholen (siehe hierzu Antwort 3).

5. Herr Nowak leitet seit längerem eine Film-AG an seiner Schule. Um mit den Schüler*innen Filme zu sichten, bringt er Blu-Rays mit, die er in der Videothek der Stadt ausgeliehen oder käuflich erworben hat. Darf er die Filme im Rahmen seiner AG zeigen?

Bei einer AG wird eine persönliche Beziehung der Teilnehmer*innen ähnlich wie einem Klassenverband wohl eher anzunehmen sein, sodass die Wiedergabe als privat eingestuft werden kann. Je nachdem, wie sich die AG darstellt, kann hier jedoch auch etwas anderes gelten, sodass im Zweifelsfall durchaus auch von einer öffentlichen Wiedergabe auszugehen sein könnte. Im Zweifel sollte Herr Nowak also mit Blu-Rays/DVDs arbeiten, die mit Nutzungsrechten für den schulischen nicht-gewerblichen Gebrauch mit öffentlichen Vorführrechten ausgestattet sind (siehe hierzu Antwort 3).

Fallbeispiele zum Vervielfältigen von Filmausschnitten und Videos

6. Seit Frau Müller mit ihren Schüler*innen im Unterricht einen Film gesehen hat, ist eine Woche vergangen. Um die Bilder des 90-minütigen Films in Erinnerung zu rufen und die anschließenden Aufgaben zu unterstützen, hat sie Ausschnitte aus dem Film auf eine DVD gebrannt. Als sie ihren Kolleg*innen davon erzählt, kommt im Lehrerzimmer eine Diskussion auf, ob das Arbeiten mit auf DVD gebrannten Filmausschnitten im Unterricht erlaubt ist. Nur darin, dass sie im Unterricht mit Filmstandbildern arbeiten dürften, sind sich die Lehrkräfte einig. Was ist Frau Müller urheberrechtlich nun gestattet?

Grundsätzlich ist es erlaubt, in unterschiedlichen Formen (Fotokopien, Abspeichern, Ausdrucken, Überspielen auf ein Bild- oder Tonträger) „kleine Teile eines Werkes“ oder „Werke von geringem Umfang“ für den „eigenen Gebrauch zur Veranschaulichung des Unterrichts“ zu vervielfältigen. Außerdem hat Frau Müller die Erlaubnis, Teile eines Werkes in einer Sammlung von unterschiedlichen Werken verschiedener Autor*innen „für den Unterrichtsgebrauch in Schulen“ zu vervielfältigen. Dabei ist zwar nicht endgültig geklärt, welcher Umfang noch als „gering “ gilt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass Filmausschnitte, die im Verhältnis zur Gesamtlänge des Films klein sind (max. 12% des Gesamtwerks, aber nicht mehr als fünf Minuten) oder Videoclips vervielfältigt werden dürfen.

In jedem Fall zu beachten ist, dass dies nicht für ein Werk gilt, „das für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmt ist“, also etwa ein Schulbuch oder einen Lehrfilm; in diesen Fällen ist stets eine Einwilligung des Rechteinhabers*der Rechteinhaberin erforderlich.

7. Auch Herr Weber möchte nach der Filmsichtung in seiner Klasse mit Filmausschnitten arbeiten. Da die Schüler*innen in Gruppen an Computern arbeiten sollen, stellt er drei Ausschnitte auf die schulinterne Lernplattform, auf die die Schüler*innen Zugriff haben. Ist die Online-Bereitstellung von Filmausschnitten erlaubt?

Gemäß § 52a UrhG dürfen zur Veranschaulichung des Unterrichts „kleine Teile eines Werkes“ oder „Werke von geringem Umfang“ für die Schüler*innen einer Klasse über passwortgeschützte Lernplattformen, Schul-Intranets, etc. (nicht aber auf der Webseite der Schule oder anderswo frei zugänglich) zur Online-Nutzung bereitgestellt werden. In Bezug auf Filmwerke sind das laut Gesamtvertrag zwischen den Ländern und den Verwertungsgesellschaften „maximal 12% eines Werks, bei Filmen jedoch nicht mehr als fünf Minuten Länge“ oder einen Film „von maximal fünf Minuten Länge“.

Hierfür ist eine Vergütung an die zuständige Verwertungsgesellschaft zu bezahlen (§ 52a Abs. 4 UrhG). Bietet der*die Rechteinhaber*in jedoch die Werke oder Werkteile in digitaler Form für die Nutzung im schulinternen Netz zu angemessenen Bedingungen an, muss man dort eine Lizenz einholen.

Achtung! Ausnahmen gelten jedoch sowohl für Bildungsmedien als auch für Filmwerke!

Bei Werken, die für den Unterrichtsgebrauch bestimmt sind, ist stets eine Lizenzierung erforderlich. Die Online-Bereitstellung von „kleinen Teilen“ eines Filmwerks bzw. eines Filmwerks „von geringem Umfang“ für eine Klasse darf ohne Einwilligung der Berechtigten erst zwei Jahre „nach Beginn der üblichen regulären Auswertung in Filmtheatern“ erfolgen. Hierzu zählen neben Spielfilmen auch andere audiovisuelle Formate wie Dokumentationen und Reportagen oder Musikvideos. Informieren Sie sich also über den offiziellen Kinostart des Films, mit dem Sie arbeiten und wählen Sie in diesem Fall nur Filme aus, deren Kinostart mehr als zwei Jahre zurückliegt.

Bislang ist aber nicht geklärt, inwiefern Filme oder andere audiovisuelle Formate, die lediglich auf Video/DVD/BD erscheinen oder Dokumentationen und Reportage, die im Rundfunk veröffentlicht wurden, ebenfalls von dieser Regel betroffen sind.

Fallbeispiele zur Online-Bereitstellung und -Nutzung von Filmausschnitten

8. Da die Schüler*innen von Herrn Weber länger brauchen als gedacht, bittet er sie, die Aufgaben zu Hause zu beenden. Da seine Schüler*innen auch von zu Hause aus auf die Lernplattform der Schule zugreifen können, ist das kein Problem. Aber ist dies ein Problem für das Urheberrecht?

Diese Situation ist noch nicht eindeutig geklärt, die Meinungen der Fachleute gehen hierbei zusätzlich auseinander. Legt man die Formulierung in § 52a Abs. 1 Nr. 1 UrhG zeitlich und räumlich eng aus, wäre nur der tatsächliche Unterricht an der Bildungseinrichtung erfasst, vergleichbar der Formulierung „während des Unterrichts“. Konsequenterweise wäre eine öffentliche Zugänglichmachung dann nicht oder nicht mehr geboten, wenn sie nicht (mehr) Bestandteil des Unterrichts ist. Das Zugänglichmachen hätte sich allein auf und für die betreffende Unterrichtsstunde zu beschränken. Eine Nutzung zur (auch häuslichen) Nachbereitung des Stoffs und Unterrichtsformen wie das E-Learning wären ergo ausgeschlossen.

Die überwiegende Meinung der Jurist*innen ist allerdings der Auffassung, dass diese Sichtweise der Intention des Gesetzgebers, die Nutzung moderner Kommunikationsformen zu fördern, widerspricht. Von einer Veranschaulichung im Unterricht ist auch dann noch auszugehen, wenn die zugänglich gemachten Materialien den Unterrichtstoff nicht nur verdeutlichen, sondern ergänzen. Verständlichkeit und pädagogische Festigung sprechen dafür, den Begriff „im Unterricht“ synonym zu der Formulierung „für den Unterrichtsgebrauch“ zu verstehen. Auch wenn Werkteile nicht ausführlich im Unterricht besprochen wurden, soll die Schrankenregelung einschlägig sein, da es entscheidend darauf ankommt, dass die Schüler*innen befähigt werden, die im Unterricht behandelten Themen nachzuvollziehen.

Bleibt ein zumindest inhaltlicher Unterrichtsbezug erkennbar, so sollte daher auch die zeitnahe Vor- und Nachbereitung des Unterrichts durch Nutzung der Werke von der Schrankenregelung privilegiert werden. Die rechtliche Entwicklung in dieser Frage sollte jedoch beobachtet werden.

9. Sein Kollege Herr Nowak hatte ebenfalls die Idee, Filmausschnitte für seine Film-AG hochzuladen. Er hatte die Ausschnitte aber nicht auf der schulinternen Lernplattform, sondern direkt auf der offiziellen Schulwebseite im Bereich „Film-AG“ hochgeladen. Herr Weber weist ihn darauf hin, dass dies nicht zulässig sei. Herr Nowak entgegnet, der Film sei aber bereits vor 15 Jahren im Kino gelaufen. Warum ist dies trotzdem nicht zulässig? Und hätte er die Ausschnitte auf seine private, öffentlich zugängliche Internetseite stellen dürfen?

Nein. Die Schranke aus § 52a UrhG erfordert es, dass nur ein abgegrenzter Teilnehmer*innenkreis auf die Materialien zugreifen kann. Das ist weder auf der öffentlich zugänglichen Schulwebsite noch auf einer privaten, öffentlich zugänglichen Internetseite der Fall. Das Alter des Films spielt hier keine Rolle – erst 70 Jahre nach dem Tod aller Urheber*innen entfällt der urheberrechtliche Schutz.

Fallbeispiele zum Abspielen von Videostreams

10. Frau Schilling hat einen privaten Account auf einer Video on Demand-Seite. Wenn sie einen Film schauen möchte, zahlt sie für die einmalige Sichtung eine Gebühr. Jetzt hat sie dort einen Film gefunden, den sie gerne in ihrer Klasse zeigen möchte. Aber sie weiß nicht, ob sie in der Schule einen Film streamen darf, noch dazu, wenn der Zugang zur Seite über ihren privaten Account läuft?

Das Abspielen eines Streams im Klassenverband stellt keine öffentliche Wiedergabe dar und ist daher – entsprechend dem Abspielen einer DVD – erlaubt. Die beim Abspielen eines Videostreams vorgenommenen Vervielfältigungshandlungen sind ohne Einwilligung der Berechtigten aber nur dann zulässig, wenn die Daten nur „vorübergehend“ auf dem PC gespeichert werden. Für die schulische Filmarbeit bedeutet das zunächst, dass das Streamen von Videos über den Windows Media Player, den Quick Time Player, den RealPlayer oder den VLC-Player gestattet ist, da diese die Daten in einen Zwischenspeicher laden und beim Schließen des Browers automatisch wieder löschen. Eine nachträgliche Speicherung des Betrachteten ist hier nicht möglich. Die Wiedergabe über solche Player, die entsprechende Daten dauerhaft auf dem PC speichern, ist rechtswidrig. Hierzu zählt zum Beispiel der DivX-Player.
Bei Angeboten von öffentlich-rechtlichen Sendern, von Filminstituten und -archiven oder auch von Video on Demand-Anbietern aus dem EuroVoD-Netzwerk ist die vorübergehende Zwischenspeicherung erlaubt, da es sich um eine „Übertragung durch einen Vermittler“ und „eine rechtmäßige Nutzung“ handelt.

Das Abspielen von Streams aus dem privaten Account einer VoD-Seite im schulischen Bereich kann allerdings die Nutzungsbedingungen des Anbieters verletzen.

11. Als Frau Schilling ihre Kollegin fragt, rät ihr diese, nur Filme zu zeigen, die sie auf YouTube findet. Da diese Filme ja öffentlich zugänglich sind, dürften sie auch im Unterricht gezeigt werden. Hat die Kollegin recht?

Beim Abspielen von Videos über YouTube-Kanäle von offiziellen Einrichtungen (wie zum Beispiel dem British Film Institute) kann von einer rechtmäßigen Nutzung ausgegangen werden. Bei der Wiedergabe von anderen Videos über YouTube oder ähnlichen Seiten ist allerdings nicht immer eindeutig geklärt, ob das Videomaterial rechtmäßig genutzt wird oder nicht. Hier ist Vorsicht geboten.

12. Frau Müller hat gehört, dass man beim Abspielen von Videostreams darauf achten muss, dass es sich bei den Filmen und Ausschnitten nicht um „offensichtlich rechtswidriges“ Material handelt. Was ist „offensichtlich rechtswidriges Material“? Und was kann im Gegenzug problemlos abgespielt werden?

Hier ist Vorsicht geboten, denn was als „offensichtlich rechtswidrig“ angesehen werden muss, ist nicht unumstritten. Zunächst ist festzuhalten, dass als rechtswidrig all das Material anzusehen ist, das unter Verletzung der Rechte des Urhebers*der Urheberin oder sonstigen Rechteinhaber*innen erstellt wurde. Die Offensichtlichkeit der Rechtsverletzung soll nach inzwischen überwiegender Meinung nach objektiven Kriterien bestimmt werden, das heißt es kommt auf den Bildungs- und Kenntnisstand des einzelnen Nutzers*der einzelnen Nutzerin nicht an. Das Merkmal gilt als erfüllt, wenn ohne Schwierigkeiten erkennbar ist, dass die Vorlage rechtswidrig hergestellt wurde. Andere Stimmen sprechen davon, dass kein ernsthafter Zweifel bzw. kein vernünftiger Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Vorlage bestehen darf. Als gesichert gilt, dass dem*der Nutzer*in keine Verpflichtung zu Nachforschungen über die Rechtmäßigkeit der Vorlage zukommt. Problemlos abgespielt werden darf im Gegenzug sämtliches Material, bei dem die Rechtmäßigkeit offensichtlich ist.

Fallbeispiele zur Bearbeitung von Filmen und Filmausschnitten

13. In der Film-AG von Herrn Nowak waren die Schüler*innen aktiv. Sie haben über mehrere Wochen mit ihren Smartphones eigene Filme gedreht. Einige Schüler*innen haben sogar ihre Lieblingsmusik unter die Bild- und Tonspur des Films gelegt. Ein Schüler war sich nicht sicher, ob er einfach ein Lied seiner Lieblingsband verwenden darf, um seinem Film eine bessere Stimmung zu verleihen. Da zu seinem Film aber eine klassische Musik ohnehin besser passen würde, entscheidet er sich, ein Klavierstück, das er gerade im Klavierunterricht spielt, aufzunehmen und für seinen Film zu verwenden. Beim „Tag der offenen Tür“ sollen alle Filme gezeigt werden, um die Arbeit der Film-AG zu präsentieren. Was muss Herr Nowak nun beachten? Welche Filme dürfen gezeigt werden?

Die Filme ohne musikalische Unterlegung können problemlos gezeigt werden, da die Schüler*innen selbst daran das Urheberrecht innehaben. Nimmt ein*e Schüler*in ein eigenes (selbst geschriebenes) Lied auf, so darf er*sie dieses ebenfalls dem Film unterlegen. Problematisch ist die Lage, wenn es sich um Lieder handelt, die von anderen Urheber*innen stammen. Das betrifft auch ein Stück, das im Klavierunterricht gespielt wird, solange der*die Komponist*in und Urheber*in nicht bereits seit mehr als 70 Jahren verstorben ist. Da die Wiedergabe am Tag der offenen Tür eine öffentliche Wiedergabe darstellt, sind hierfür grundsätzlich die Nutzungsrechte der Rechteinhaber*innen der Lieder einzuholen. Alternativ können die Schüler*innen hier mit freier Musik oder CC-lizenzierter Musik arbeiten. Eine Übersicht über Internetseiten, auf welchen freie Musik kostenlos zur Verfügung gestellt wird, finden Sie in der > Linksammlung der Infothek.

14. Damit die Schüler*innen auch ihren Freunden und Eltern die Filme zeigen können, lädt Herr Nowak die Filme auf die Internetseite der Schule. Darf er das? Welche Filme dürfen hochgeladen werden?

Auch das Hochladen auf der öffentlich zugänglichen Website der Schule ist dann problematisch, wenn nicht alle Nutzungsrechte für urheberrechtlich geschützte Werke eingeholt wurden. Für die Filme, die mit bekannten Liedern von anderen Künstler*innen unterlegt sind, müssten also zunächst die Nutzungsrechte eingeholt werden. Um dies zu umgehen, können die Schüler*innen auch mit freier Musik oder CC-lizenzierter Musik arbeiten. Filme, in welchen freie Musik verwendet wird, können auf der Internetseite der Schule zur öffentlichen Sichtung hochgeladen werden (siehe hierzu auch Antwort 13).

15. An der benachbarten Schule hatte Frau Roller dreiminütige Filmausschnitte für ihre Schüler*innen im Intranet hochgeladen. In kleinen Gruppen sollen die Schüler*innen diese Ausschnitte nun bearbeiten. Gruppe 1 soll eine neue Musik unter die Bildspur legen, um die Wirkung der Filmmusik zu erkennen; Gruppe 2 ist angehalten, einen neuen Dialog einzusprechen und unter die Bildspur zu legen, um über die Wechselwirkung zwischen Bild- und Tonspur nachzudenken und Gruppe 3 hat den Auftrag, einzelne Einstellungen zu entfernen, um die Bedeutung der Montage wahrzunehmen. Ist es den Schüler*innen erlaubt, die Bearbeitungen am Material umzusetzen? Welche Möglichkeiten gibt es?

Für die Änderung und Bearbeitung sowie die Entstellung von urheberrechtlich geschützten Werken gelten besondere Regelungen aus § 39 UrhG, § 62 UrhG und §14 UrhG. Sollen Filme oder Filmausschnitte neu geschnitten oder mit Untertiteln versehen, wird dafür die Einwilligung der Rechteinhaber*innen für die entsprechende Bearbeitung benötigt. Das gleiche gilt für das Unterlegen von Musik, wobei auch die Nutzungsrechte der Musik selbst eingeholt werden müssten. Um die schulische Filmarbeit zu erleichtern sind Filme, die über größere Mediendistributionssysteme (siehe hierzu > Linksammlung in der Infothek) zugänglich gemacht werden, teilweise mit einem speziellen Bearbeitungsrecht ausgestattet. In diesem Fall können diese Filme oder Filmausschnitte im Rahmen des Unterrichts, nicht aber darüber hinaus, bearbeitet werden.

16. Frau Roller hatte mit ihren Kolleg*innen aus der Fremdsprachenabteilung ausgemacht, dass ihre Schüler*innen die Dialoge in den Filmausschnitten übersetzen und die Untertitel in die Ausschnitte einfügen. Dürfen die Kolleg*innen dies tun? Welche Möglichkeiten gibt es?

Auch das Einsetzen von Untertiteln stellt eine Bearbeitung des Ursprungswerkes dar und bedarf der Erlaubnis des Rechteinhaber*innen. Auch hier sind jedoch zur Erleichterung Filme erhältlich, bei denen die Bearbeitungsrechte bereits eingeräumt sind. Es sollte daher auf solche Filme ausgewichen werden. (siehe Antwort 15).


Dr. Malek Barudi, M.Jur. (Oxford) ist Rechtsanwalt bei TaylorWessing.

Überarbeitung und Erweiterung: Dr. Jur. Tobias Heinemann, Referendar am Kammergericht Berlin